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Trading mit Derivaten: Chancen und Risiken!
Mit Optionsscheinen und Hebelzertifikaten wird oftmals der Traum vom schnellen Reichtum verbunden. In der Praxis aber treten Fehlspekulationen häufiger auf als die erhofften Gewinne. Um auf der Gewinnerseite zu stehen, ist es deshalb wichtig, sich intensiv mit dem Thema auseinanderzusetzen.
Derivate (Optionsscheine und Hebelzertifikate) bieten die Chance, Gewinne sowohl bei steigenden als auch fallenden Kursen zu erzielen. Ein einfaches Beispiel: Sie kaufen ein Long-Zertifikat mit einem Hebel von 10 auf einen DAX-Wert. Steigt die Aktie um 10 Prozent, dann liegt das Hebelzertifikat bereits mit dem zehnfachen, also 100 Prozent im Plus und Sie haben Ihren Kapitaleinsatz verdoppelt.
Hebelzertifikate bieten dem Anleger attraktive Chancen in jeder Marktphase. Mit geringem Kapitaleinsatz sind aufgrund der Hebelwirkung hohe Gewinne möglich.

Ein weiteres Beispiel:

Aufgrund steigender Zinsen und einem anziehenden Ölpreis rechnet ein Anleger mit sinkenden Aktienkursen. Deshalb entschließt er sich ein Short-Zertifikat auf den DAX mit einem 5er-Hebel zu kaufen. Im Laufe der folgenden Monate sinkt der DAX um 7 Prozent. Damit steigt der Kurs des Hebelzertifikates um das fünffache des Kursverlustes des DAX (Hebel=5). Unser Anleger darf sich über einen Gewinn von 35 Prozent freuen.

Das Zertifikat für fallende Kurse wird Short- oder auch Bear-Hebelzertifikat (Put bei Optionsscheinen) genannt. Bei einem Hebelzertifikat auf steigende Kurse spricht man von einem Long- oder Turbo-Hebelzertifikat (Call bei Optionsscheinen).

In der Praxis ist das Handeln mit Hebelzertifikaten allerdings auch äußerst riskant.

In unseren beiden Beispielen setzt unser Anleger auf den jeweiligen richtigen Trend und spekulierte dadurch äußerst erfolgreich. Wäre dies allerdings nicht der Fall gewesen und die DAX-Aktie wäre um 10 Prozent gefallen, hätte sich unser Long-Zertifikat halbiert und somit auch unser Kapitaleinsatz. Dies zeigt, der Handel mit Hebelzertifikaten ist äußerst riskant!

Alle Hebelzertifikate besitzen zudem eine Knock-Out-Schwelle. Unterschreitet der Basiswert, der dem Zertifikat zugrunde liegt, dieses Kursniveau (bei Long-Zertifikaten), verfällt das Zertifikat und ist wertlos. Bei Short-Zertifikaten gilt für den Verfall dementsprechend das Überschreiten der Knock-Out-Barriere. Ein einfaches Beispiel: Unser Anleger kauft ein Long-Zertifikat auf den DAX. Dieses kostet beim aktuellen Indexstand von 6000 Punkten und einer Knock-Out-Schwelle (=Basiswert) von 5500 Punkten 5 Euro. Leider setzt der DAX aber den erhoffen Höhenflug nicht fort, sondern kommt durch nicht zu erwartende weltpolitische Turbulenzen plötzlich unter Druck und sinkt binnen weniger Wochen auf 5450 Punkte. Damit ist das Hebelzertifikat unter die Knock-Out-Barriere gefallen und unser Anleger hat einen Totalverlust seines investierten Geldes zu beklagen. Wenige Tage nachdem unser Anleger ausgeknockt wurde, entspannt sich die politische Lage wieder und der DAX steigt auf 5600 Punkte und somit über die Knock-Out-Schwelle. Für unseren Anleger ist dies leider kein Trost mehr, da sein Long-Zertifikat längst ausgeknockt wurde und nicht mehr gehandelt wird. Bei der Ausgestaltung der Knock-Out-Barriere gibt es von Emittent zu Emittent Unterschiede.

Aufgrund dieser Risiken ist es unverzichtbar nach einer klaren Strategie zu handeln!

Um erfolgreich mit Hebelzertifikaten zu handeln, müssen Sie unbedingt einige wichtige Grundregeln beachten:

1. Risikominimierung
Grundsätzlich ist es sinnvoll die Chancen, die sich durch Investitionen in Hebelzertifikate bieten, zu nutzen. Gerade in sehr unruhigen bzw. schwachen Börsenphasen können Anleger Short-Zertifikate nutzen, um Geld an der Börse zu verdienen. Aufgrund des Risikos ist es allerdings sehr empfehlenswert, den Anteil an Hebelzertifikaten in einem spekulativen Depot auf maximal 30 Prozent zu begrenzen.

2. Verlustminimierung
Das wichtigste beim Handel mit Hebelzertifikaten ist die Verlustminimierung und der Erhalt des Kapitals. Deshalb eignet sich die Investition in Hebelprodukte nur für erfahrene Anleger. Aufgrund der Knock-Out-Barriere ist ein Totalverlust jederzeit möglich. Deshalb ist die Wahl des richtigen Zertifikates sehr bedeutend. Dabei sollten Sie besonders auf den Abstand zur Knock-Out-Schwelle achten. Unser Anleger spekuliert mit einem Long-Zertifikat auf einen steigenden DAX. Zum Einstiegszeitpunkt notiert der DAX bei 5700 Punkten und unser Anleger entscheidet sich, da das Marktumfeld sehr positiv ist, für ein Zertifikat mit einer Knock-Out-Barriere bei 5500 Punkten. Nachdem der DAX zunächst auch leicht zulegt, kommt es zu einem Terroranschlag. Direkt nach der Meldung stürzt der DAX binnen kürzester Zeit auf 5490 Punkte ab. Ehe unser Anleger sich versieht, hat er einen Totalverlust erlitten. Wenige Stunden später erholt sich der DAX und notiert bereits wieder bei 5600 Punkten. Da unser Anleger aber den Abstand zur Knock-Out-Schwelle zu eng gewählt hatte, kann er von dieser Erholung nicht mehr profitieren. Deshalb ist es so immens wichtig, dass der Abstand zur Knock-Out-Barriere immer großzügig gewählt wird. Kalkulieren Sie unvorhersehbare Ereignisse, die zu plötzlichen, breiten Marktschwankungen führen, immer vor dem Einstieg mit ein. Zudem müssen Sie vor dem Trade die Verlusthöhe festlegen, die sie maximal in Kauf nehmen möchten. Dabei sollten Sie eine Schwankungsbreite von ca. 2 Prozent des Basiswertes immer einkalkulieren. Unser Anleger entscheidet sich erneut für ein Long-Zertifikat auf den DAX mit einem Hebel von 10. Fällt der DAX um 1 Prozent ist er bereits 10 Prozent im Minus, bei einem Rückgang des DAX um 2 Prozent erhöht sich der Verlust auf 20 Prozent. Das Risiko erhöht oder minimiert sich natürlich proportional mit dem Hebel des Zertifikates. Eine Schwankung von 2 Prozent des Basiswertes sollten Sie aber auf jeden Fall einkalkulieren, ohne dass Sie Ihre Position schließen müssen. Darüber hinaus sollte die Spekulation aber per Stopp-Loss-Marke abgesichert werden. Bei Hebelzertifikaten ist es, im Gegensatz zu Aktien, ratsam den Stoppkurs direkt ins System zu setzen. Ist der Stoppkurs erreicht, müssen Sie die Position unbedingt und unwiderruflich verkaufen. Ansonsten laufen Sie Gefahr einen Totalverlust zu erleiden. Damit Sie gar nicht erst in die Verlustzone geraten, ist das richtige Timing beim Einstieg gefragt!

3. Trend-Strategie
Unsere Trend-Strategie ist auch für den Handel mit Derivaten von großer Bedeutung. Während wir im Zuge eines negativen Markttrends keine neuen Aktien-Positionen eingehen, können wir mit einem Short-Zertifikat beispielsweise von diesem Trend profitieren. Aber wie erkennen wir Trends? Leider ist an dieser Stelle der Platz zu begrenzt, um ausführlich auf dieses Thema einzugehen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, einen Trend auszumachen. Sehr vereinfacht dargestellt lässt sich der allgemeine Markttrend schon durch den regelmäßigen Blick auf die Vorzeichen bei den Kurstafeln und in Aktien-Musterdepots erkennen. Dazu gehört natürlich auch beispielsweise die Betrachtung der Unternehmensnachrichten, der Zinsentwicklung und des weltpolitischen Geschehens. Steigt der Gesamtmarkt z.B. trotz einer Reihe schlechter Unternehmensmeldungen, weist dies auf eine absolut positive Verfassung der Märkte hin. Dies gilt natürlich auch im Umkehrschluss. Fällt der Markt trotz einer Vielzahl positiver Neuigkeiten, deutet dies auf eine Korrektur hin. Ein weiteres wichtiges Merkmal zur Erkennung eines Trends stellt auch die technische Analyse dar. Jeder erfolgreiche Trade muss unbedingt immer durch das konsequente Nachziehen des Stoppkurses abgesichert werden!

Verweise
 Die wichtigsten Begriffe beim Handel mit Hebelzertifikaten
 Häufige Fragen beim Handel mit Hebelzertifikaten

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